DABEI-Innovationsklima-Index

DABEI-Innovationsklima-Index 2012

Der DABEI-Innovationsklima-Index ist in 2012 wieder in den negativen Bereich gerutscht. Das Innovationsklima ist damit wie bereits in 2010 „bedeckt“ oder „eher trübe“. Bei den Innovationswiderständen gibt es zum letzten Jahr kaum Veränderungen. Die Top 2 sind nach wie vor „kurzfristiges Wirtschaften / Shareholder Value-Gedanke“ und „Besitzstandswahrung / Lobbyismus“. Auch die Innovationsstärken sind fast unverändert. Dieses Ergebnis lässt darauf schließen, dass sich das Innovationsklima eines Landes – anders als die Konjunktur – nur sehr langsam verändert. Umso mehr müssen weiterhin Anstrengungen für ein positives Innovationsklima unternommen werden, damit Deutschland nicht dem „boiled frog“-Syndrom erliegt: Langsame negative Veränderungen im Innovationsklima werden erst wahrgenommen, wenn es zu spät ist – ähnlich einem im Wasser sitzenden Frosch, der nicht merkt, dass das Wasser langsam erhitzt wird, bis es schließlich kocht.

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DABEI-Index

DABEI erfasst periodisch das Innovationsklima in Deutschland und die schädlichsten Innovationswiderstände im Rahmen einer empirischen Umfrage. Der DABEI-Index (s. Abbildung 1) misst das Innovationsklima in Deutschland. Damit wollen wir ermitteln, ob wir in Deutschland ein eher sonniges innovationsfreundliches Klima oder ein eher regnerisches innovationsfeindliches Klima haben.

DABEI-Index Abbilung 1: DABEI-Index

Außerdem sollen die wesentlichen Innovationswiderstände in Deutschland danach bewertet werden, ob sie einem sonnigen Klima entgegenstehen und uns bei Nichtbeachten direkt in die Klimakatastrophe führen. Die Innovationswiderstände haben wir in vier Kategorien gegliedert, die untereinander Interdependenzen aufweisen.

Die Gesellschaft ist die Gesamtheit der in Deutschland lebenden Personen und Personengruppen, deren Eigenschaften als Ganzes mehr sind als die Summe ihrer Individuen. Gesellschaftliche Widerstände sind:

  • allgemeiner Werteverfall und insbesondere Korruption
  • Übersättigung auf der Lebenszykluskurve einer Gesellschaft
  • Besitzstandswahrung und Lobbyismus durch mächtige Personen und Gruppen
  • Mangelnde Anerkennung für Innovatoren, also sowohl Erfinder als auch Unternehmer
  • Abwanderung von Spitzenkräften in andere Länder, der sogenannte Brain Drain
  • Mangelnder Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

 

In der Kategorie Politik werden alle gestaltenden Maßnahmen der politischen Organe in Deutschland zusammengefasst, die sich auf die Innovationskraft auswirken können. Daraus ergeben sich folgende mögliche politische Widerstände:

  • Mängel im Patentwesen in Deutschland, der EU und weltweit (insbesondere fehlendes EU-Patent)
  • Falsche steuerliche Anreize, die Erfindungen und Markteinführungen behindern
  • Verfehlte Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik
  • Defizite der Bildungs-, Forschungs- und Transferpolitik
  • Mangelnde technische und soziale Infrastruktur
  • Zu viel Bürokratie für Erfinder und Unternehmer sowie Korruption

 

Unternehmen sind die organisatorischen Einheiten der Erwerbswirtschaft, die Erfindungen teilweise selbst generieren oder Erfindungen freier Erfinder in Innovationen umsetzen. Diese Kategorie enthält folgende mögliche Unternehmenswiderstände:

  • Kurzfristiges Wirtschaften, insbesondere nach dem Shareholder-Value-Gedanken
  • Zu geringe F&E-Quote, d.h. zu wenig Ausgaben und Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung zur Erfindung neuer Produkte
  • Zu wenig Markterschließungs-Aktivitäten, um neue Produkte am Markt zu platzieren
  • Unflexible Organisation und Abteilungsdenken
  • Schlechte Führung und Korruption
  • Mangelnde Kooperation der Unternehmen untereinander sowie zwischen Unternehmen und anderen Einrichtungen (z.B. Hochschulen, Verbänden)

 

Neues Wissen und neue Ideen entstehen immer zuerst im Kopf eines einzelnen Menschen. Unter der Kategorie Individuum werden alle Innovationswiderstände zusammengefasst, die beim Einzelnen ansetzen. Individuelle Widerstände sind:

  • Mangelndes Wissen (Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten)
  • Fehlende Kreativität
  • Zu wenig Unternehmergeist
  • Angst vor Veränderungen
  • Fehlendes Verantwortungsbewusstsein
  • Zu geringe intrinsische Motivation, also Motivation durch inneren Antrieb, nicht durch äußerliche Anreize und mangelnde Ausdauer